Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Ersparnis und Amortisation rechnen
Ein Balkonkraftwerk spart nur den Strom, den Sie selbst verbrauchen. Bei 37 Cent pro Kilowattstunde und einem Set für einige hundert Euro hat es sich bei gutem Standort nach etwa drei bis sechs Jahren bezahlt gemacht, mit Schatten deutlich später. Mit Rechenweg und Beispielen.
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Ein Balkonkraftwerk lohnt sich in den meisten Fällen: Die Verbraucherzentrale nennt drei bis fünf Jahre, bis die Investition über die Stromkosten eingespielt ist. Entscheidend sind drei Werte: Ertrag (Ausrichtung, Schatten), Eigenverbrauch (wie viel Sie gleichzeitig nutzen) und Strompreis. Bei 37 Cent pro kWh, dem Durchschnitt 2026 laut BDEW, spart ein 800-Watt-Gerät senkrecht am Südbalkon je nach Eigenverbrauch rund 85 bis 150 Euro im Jahr. Eingespeister Strom wird nicht bezahlt. Stand: Oktober 2026.
So rechnen Sie
Ersparnis pro Jahr = Jahresertrag (kWh) × Eigenverbrauchsanteil × Strompreis (€/kWh)
Amortisation in Jahren = Anschaffungskosten ÷ Ersparnis pro Jahr
1. Jahresertrag: hängt von Ort, Richtung und Neigung ab. Für 800 Watt Modulleistung in Kassel liefert der EU-Rechner PVGIS zum Beispiel:
| Montage | Ertrag im Jahr |
|---|---|
| Süden, 30 Grad | 807 kWh |
| Süden, senkrecht | 576 kWh |
| Westen, senkrecht | 402 kWh |
Alle Ausrichtungen und Orte im Artikel Balkonkraftwerk Ertrag.
2. Eigenverbrauchsanteil: der Teil des Ertrags, den Sie im Moment der Erzeugung selbst verbrauchen. Der Rest fließt ohne Vergütung ins Netz. Im Beispiel der Verbraucherzentrale senken von 280 kWh eines 400-Watt-Moduls etwa 200 kWh den Strombezug, das sind gut 70 Prozent. Bei größeren Geräten und wenig Verbrauch tagsüber ist der Anteil kleiner. Ihren Wert schätzen Sie mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin.
3. Strompreis: Der BDEW nennt für Haushalte 2026 durchschnittlich 37,0 Cent pro kWh (Neukundentarife, 3.500 kWh Jahresverbrauch, Grundpreis anteilig eingerechnet). Genau genommen spart jede selbst genutzte Kilowattstunde nur Ihren Arbeitspreis ohne Grundpreis; nehmen Sie diesen Wert von Ihrer Stromrechnung, wenn Sie es genau wissen wollen.
4. Anschaffungskosten: Laut Verbraucherzentrale kostet ein Set mit einem Standardmodul normalerweise 300 bis 500 Euro; Sets mit zwei Modulen gibt es online und im Baumarkt ab 200 bis 300 Euro, dann oft ohne Befestigung, die je Modul 50 bis 100 Euro kosten kann. Die acht 800-Watt-Sets bei Stiftung Warentest kosteten 330 bis 580 Euro. Für Module und Wechselrichter fällt beim privaten Kauf keine Umsatzsteuer an (§ 12 Abs. 3 UStG).
Beispielrechnungen
Annahmen: 37 Cent pro kWh, Kassel, 800 Watt Modulleistung. Der Eigenverbrauchsanteil ist eine Annahme, die Sie durch Ihren eigenen Wert ersetzen sollten.
| Fall | Ertrag | Eigenverbrauch | Ersparnis/Jahr | Kosten | Amortisation |
|---|---|---|---|---|---|
| Südbalkon senkrecht, viel Tagesverbrauch | 576 kWh | 70 % | rund 149 € | 500 € | rund 3,4 Jahre |
| Südbalkon senkrecht, wenig Tagesverbrauch | 576 kWh | 40 % | rund 85 € | 500 € | rund 5,9 Jahre |
| Garage, 30 Grad Süd | 807 kWh | 50 % | rund 149 € | 550 € | rund 3,7 Jahre |
| Westbalkon senkrecht | 402 kWh | 60 % | rund 89 € | 500 € | rund 5,6 Jahre |
| Westbalkon, teils verschattet | 250 kWh | 60 % | rund 56 € | 500 € | rund 9 Jahre |
Die letzte Zeile zeigt, wie stark Schatten die Rechnung verdirbt. Ein Nordbalkon (rund 150 kWh im Jahr) lohnt sich kaum.
Was die Rechnung verbessert
- Schattenfreier Platz. Wenige Prozent Schatten können laut Verbraucherzentrale mehr als die Hälfte der Leistung kosten.
- Größe passend wählen. Für einen hohen Eigenverbrauch empfiehlt die Verbraucherzentrale 450 bis 500 Watt Modulleistung, also meist ein Modul; wer mehr erzeugen will, nimmt zwei. Zwei zusätzliche Module kosten laut Verbraucherzentrale meist 100 bis 200 Euro mehr.
- Verbrauch in die Sonnenstunden legen: Waschmaschine, Geschirrspüler, Akkus laden. Mehr im Artikel ohne Einspeisung.
- Förderung nutzen, wo es sie gibt: Balkonkraftwerk Förderung.
Was die Rechnung verschlechtert
- Montagematerial und gegebenenfalls eine Einspeisesteckdose von der Elektrofachkraft, die laut Produktnorm ab 960 Watt Modulleistung nötig ist.
- Speicher: Er erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber deutlich mehr. Die Verbraucherzentrale nennt rund 1.500 Euro für ein kleines Solarkraftwerk mit Speicher. Siehe Balkonkraftwerk mit Speicher.
- Messkosten: Mit einer modernen Messeinrichtung dürfen bis zu 25 Euro im Jahr anfallen (§ 32 MsbG). Diese Zähler werden aber bis Ende 2032 ohnehin überall eingebaut, unabhängig vom Balkonkraftwerk.
Und Stiftung Warentest?
Stiftung Warentest kommt in ihren Szenarien für ein Beispielhaus auf Amortisationszeiten von unter zwei Jahren. Das setzt eine sehr gute Aufstellung voraus: Auf ihrem Beispieldach errechnete sie 860 bis 1.020 kWh im Jahr. Am Balkon hängend waren es 600 bis 720 kWh. Ihre eigene Rechnung mit Ihrem Standort ist deshalb aussagekräftiger.
Quellen
Stand: Oktober 2026.
- BDEW – Strompreisanalyse August 2026 – 37,0 ct/kWh für Haushalte 2026
- PVGIS (Gemeinsame Forschungsstelle der EU) – Ertragswerte, eigene Abfrage mit 0,8 kWp und 14 % Systemverlusten
- HTW Berlin – Stecker-Solar-Simulator – Eigenverbrauch abschätzen
- Verbraucherzentrale – Steckersolar – Preise, Montagematerial, 280/200 kWh, Amortisation drei bis fünf Jahre, Größe, Messkosten
- Verbraucherzentrale – FAQ Steckersolar – Set 300–500 Euro, Speicher rund 1.500 Euro
- Stiftung Warentest – Balkonkraftwerke im Test – Preise 330–580 Euro, Amortisation unter zwei Jahren im Szenario
- § 12 UStG – Abs. 3: Nullsteuersatz
- § 32 MsbG und § 29 MsbG – 25 Euro, Ausstattung bis 2032
FAQ · 04 Fragen
Häufige Fragen
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Lohnt sich ein Balkonkraftwerk 2026 noch?
In den meisten Fällen ja, wenn der Standort weitgehend schattenfrei ist und Sie tagsüber Strom verbrauchen. Die Verbraucherzentrale nennt drei bis fünf Jahre, bis sich die Investition über die Stromkosten bezahlt gemacht hat. Bei Ost- oder Westbalkon und geringem Tagesverbrauch dauert es länger.
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Wie viel spart ein 800-Watt-Balkonkraftwerk im Jahr?
Das hängt von Ertrag und Eigenverbrauch ab. Beispiel: senkrecht am Südbalkon in Kassel rund 576 kWh im Jahr, davon 60 Prozent selbst genutzt, ergibt bei 37 Cent pro Kilowattstunde rund 128 Euro. Mit 30 Grad Neigung und mehr Eigenverbrauch kann es mehr sein, nach Westen deutlich weniger.
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Wie berechne ich die Amortisation?
Anschaffungskosten geteilt durch die jährliche Ersparnis. Die Ersparnis ist Jahresertrag mal Eigenverbrauchsanteil mal Strompreis. Den Ertrag für Ihren Standort liefert der EU-Rechner PVGIS, den Eigenverbrauch können Sie mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin abschätzen.
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Bekomme ich Geld für den Strom, den ich nicht selbst verbrauche?
In der Regel nicht. Balkonkraftwerke werden der unentgeltlichen Abnahme zugeordnet, eingespeister Strom wird nicht vergütet. Deshalb zählt für die Wirtschaftlichkeit nur der selbst verbrauchte Strom.